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Country When Country Wasn’t Cool

Vor einigen Wochen war ein Musikfestival im Vereinigten Königreich namens Country to Country (C2C) – ein Festival, welches jedes Jahr über verschiedene Orte verteilt (Glasgow, London, Dublin) stattfindet und wo einige der größten Stars der amerikanischen Country-Szene die Reise über den Ozean antreten um ihre Fans hier zu begeistern. Manche davon haben die Reise dorthin gleich dazu genutzt um einen kleinen Abstecher nach Deutschland zu machen.

Und es sind Ereignisse wie diese, die dazu führen, dass ich die Weltstadt Hamburg noch mehr liebe und unendlich dankbar bin, dass ich hier wohnen darf. Denn die großen Countrystars haben hier in Deutschland nur die großen Städte besucht und Hamburg gehörte dazu!

Am 03.03. war Erich Church in Hamburg und hatten wir die Ehre ihn ein zweites Mal live im Grünspan erleben zu dürfen. Da sein Konzert vor zwei Jahren so bombastisch gewesen war, war ich ehrlich gesagt ein bisschen skeptisch. Auch sein neues Album hatte mich bis zum Konzert noch nicht wirklich überzeugt.

Aber es war fantastisch! Irgendwie sogar noch besser als das erste Konzert, weil wir nun all seine Alben haben und ich die Texte zu einem großen Teil mitsingen kann. Er hatte viele Lieder seines neuen Albums (Mr. Misunderstood) gesungen und diese live so viel besser rüber gebracht als auf dem Album! Außerdem war eine bunte Mischung aus den vorherigen Alben dabei, Lieder wie „These Boots“ und „Talledega“ und natürlich die großen Hits „Drink in my Hand“, „Creeping“ und „Springsteen“. Dieser Mann füllt in den Staaten bei seinen Konzerten seit Jahren komplette Stadien mit Fans und man hat gemerkt, dass er es genoss, in der kleinen Location vor einer kleinen Menge zu spielen – back to the roots, sozusagen.

Irgendwann sagte er, „well, we are off the set now and just messing around.“ Und performte sogar ein Lied, welches er noch nie live gespielt hatte. Ab und an war seine Band leicht irritiert, weil sie nicht wussten was als nächstes kam – es war total authentisch und sympathisch. Auf jeden Fall hat er alles gegeben und auf der Bühne eine Menge Spaß gehabt, was sich auch auf die Leute im Saal übertragen hat.

Am 18.03. hat auch Chris Stapleton den Weg nach Hamburg auf sich genommen. Im Gegensatz zu Eric Church gilt er eher als Newcomer, der auf Tour war mit seinem ersten Album „Traveller“. Vorher hat er schon zig Texte für bekannte Sänger geschrieben, d.h. er war in der Musikszene vorher nicht unbekannt. Mit seinem Album und seiner unfassbar schönen Stimme hat er in den USA viele Preise abgesahnt und einen mega Start hingelegt.

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Sein Konzert in Hamburg war im Mojo Club. Das Konzert war gut, seine Stimme hat den Saal ausgefüllt und einem den Tränen nahe gebracht. Er trat mit seiner Frau zusammen auf und die beiden harmonierten wirklich wunderbar. Leider war die Location meiner Meinung nach sehr unpassend und auch der stark erhöhte Alkoholpegel bei vielen Zuschauern hat die Atmosphäre ein bisschen zerstört. Aber im Großen und Ganzen war es ein wunderschönes Konzert, v.a. durch seine unvergessliche Stimme.

Es gibt ein Lied aus dem Jahr 1981, gesungen bei Barbara Mandrell, mit dem Titel „I Was Country When Country Wasn’t Cool“ und dieses Lied spiegelt meine Gefühle zu der wachsenden Aufmerksamkeit hier in Deutschland gegenüber der amerikanischen Countryszene ziemlich gut wieder. Sie singt davon, dass sie schon Country gehört hat und den Lebensstil gelebt hat, bevor es cool bzw. zu einem Hype wurde. Vielleicht war es genau das, was mich in diesem Jahr bei den Konzerten ein bisschen gestört hat – es waren nicht länger die deutschen „wannabe-Cowboys“ mit ihren Stiefeln und Cowboyhüten, die die beiden Konzerte besucht haben, sondern es waren einfach Leute, die wahrscheinlich mal was davon gehört hatten und es sich mal anschauen wollten. Was ja grundsätzlich nicht schlecht ist, aber doch dazu führt, dass ein ganz anderes Publikum anwesend ist und damit auch eine ganz andere Stimmung herrscht.

Falls also in fünf Jahren Country voll und ganz hier in Deutschland angekommen sein sollte, möchte ich an dieser Stelle betonen: „I was country when country wasn’t cool.“

Das gesagt: schaut euch doch mal beide Künstler an. Spätestens das schöne Duett von Chris Stapleton und Justin Timberlake („Tennessee Whiskey“) sollte euch überzeugen, dass Countrymusik so einiges zu bieten hat!

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4 Kommentare zu „Country When Country Wasn’t Cool

  1. Was Konzert-Locations angeht, kenn‘ ich mich in Hamburg nicht so sehr aus, aber die „Große Freiheit“ stell ich mir als recht passend für ein Country-Konzert vor. Das Mojo wiederum finde ich irgendwie auch unpassend… Wenn mal wieder etwas in der Richtung sein sollte, sag‘ Bescheid!

    Das mit der ganz anderen Stimmung bei Konzerten, die von „Neulingen“ besucht werden, kann ich voll und ganz unterschreiben!!! Schön für den Künstler, dass mehr Leute interessiert sind, aber du spürst die Gefahr, dass der seelenlose Mainstream Einzug hält 😉

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  2. Cooler Beitrag!! Bin grad ein klitzekleines bisschen neidisch…, nicht nur weil du in meiner absoluten Lieblingsstadt lebst, sondern auch noch die mega tollen Konzerte abbekommst… 😉 😛
    Aber ich würde mich gerne dem Club „I was Country when Country wasn’t cool“ anschliessen 😉 Früher haben immer alle den Kopf geschüttelt wenn ich mit meinem Vater um die Wette sang zu den Liedern von Tammy Wynette, George Jones, Willie Nelson, und Co.

    Aber trotzdem finde ich es noch immer schade dass Country auf den „normalen“ Radiosendern noch nicht so gewürdigt wird wie die Musik es eigentlich verdient hätte. Wenn man nur bedenkt welche super tollen Lieder es von Keith Urban, Tim McGraw, Alan Jackson, Brad Paisley und von vielen vielen mehr gibt, und es immer noch eine Seltenheit ist dass mal so ein Lied im Radio läuft, dann denke ich schon manchmal dass es schade ist, dass Country nicht viel beliebter ist…

    Aber spätestens nach Angry Birds wird Country (oder zumindest Blake Shelton) mal wieder einen Tick bekannter… 😛

    Liebe Grüsse
    Tessy 😉

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    1. Liebe Tessy, ich freu mich, dass es auf dem europäischen Kontinent ein paar Gleichgesinnte gibt 🙂
      Es ist toll, dass man durch die vielen Medien trotzdem noch ein bisschen up to date bleiben kann, was in der Country-Musikszene so vor sich geht. Und die neue Musik gefällt mir total gut aber für mich bleiben es irgendwie auf jeden Fall die Größen, wie Tim McGraw und Alan Jackson etc.,die du genannt hast, die Country ausmachen.
      Solltest du im Herbst einen Ausflug nach Hamburg planen, am 5. November kommt Charlie Worsham für ein Konzert in die Prinzenbar. Bei uns ist der Termin schon groß im Kalender vorgemerkt 🙂

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