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Muttersein – was dir vorher keiner sagt

Ich bin mit Leib und Seele Mutter. Seit 2,5 Jahren macht dieses Muttersein einen Großteil meines Wesens aus. Ich wusste schon immer, dass ich Kinder haben möchte. Anfangs lag die Wunschzahl sogar bei 4 (!!!) Kindern.

Aufgewachsen bin ich mit 4 jüngeren Geschwistern. Da der Altersabstand zwischen mir und den jüngeren Kids bei 7, 10, 11 und 14 Jahren liegt, fungierte ich, als wir älter wurden, oft nicht nur als Schwester, sondern auch als Babysitter und Ersatzmutter. Ich habe in meiner Kindheit/Jugend schon unzählige Windeln gewechselt, zahlreiche Babyklamotten an die Leine gehangen, kranke Kinder getröstet, vollgepinkelte Betten gesäubert und nicht zu vergessen, einiges an Erfahrung mit sich übergebenden Kindern sammeln dürfen.

Fazit: Ich dachte, ich wäre super vorbereitet auf das zukünftige Muttersein. Ich war mir sicher, dass mich nichts mehr schockieren oder aus den Socken hauen könnte.

Oh man, wie habe ich mich da verschätzt….

Man kann unzählige Ratgeber zu den Themen Schwangerschaft, Geburt, Entwicklungsphasen, Ernährung, Erziehung und was sonst noch so mit dem Kind zu tun hat lesen. Man denkt dann, ok, das wird schon irgendwie und bei Fragen, hat man ja diese Nachschlagewerke und vielleicht, wie bei mir, schon Erfahrungen, auf die man zurückgreifen kann. Aber die Wahrheit ist, dass diese Informationen nur an der Oberfläche kratzen, dir Hinweise geben, wie du mit einer Handvoll von Situationen umgehen kannst. Aber was es wirklich bedeutet, ein Kind zu bekommen, kann dir kein Handbuch der Welt vermitteln.

Die Geburt unserer Maus hat mein Leben komplett verändert und keine dieser Erfahrungen, kein Geburtsvorbereitungskurs und keine Information aus dem Internet hätte mich jemals darauf vorbereiten können, Mutter zu sein.

Ich habe für euch eine kleine Liste mit Themen zusammengestellt, die mich seitdem ich Mutter bin, immer wieder begegnen, mich herausfordern und von denen ich vorher nichts geahnt habe.

1. Grenzenlose Liebe

Zuerst liebte ich meine Eltern und meine Geschwister. Als ich jünger war, hätte ich für sie alles geopfert, weil sie Mittelpunkt meines Lebens waren. Dann wurde ich älter, hatte verschiedene Freunde und irgendwann kam the Boyfriend in mein Leben und ich wusste – ok, mit diesem Mann wirst du deine Zukunft verbringen. Ich war erstaunt, über die neue Liebe, die ich empfand. Eine, welche nicht auf Blutsverwandtschaft, sondern auf gegenseitige Wertschätzung, Anerkennung und das gemeinsame Erträumen unserer Zukunft basierte. Und dann, mehr oder weniger plötzlich, war da dieses Baby. Dieses wunderschöne Mädchen, welches mich, mit den ersten Lauten, die es von sich gab, mit Emotionen überschwemmte, die ich bis dahin nicht kannte. Und auf diese erstaunlichen Gefühle, diese tiefe grenzenlose Liebe, welches dich von innen manchmal zu zerfressen droht, weil sie dich so sehr überwältigt, darauf hätte mich nichts vorbereiten können. Das erste Lächeln, die ersten Schritte, die Tränen beim Abschied, der sich immer weiter entwickelnde Wortschatz, der stolze Blick, wenn sie was geschafft hat…immer wieder gibt es Momente, in denen mich diese Liebe übermannt, Momente in denen ich sie festhalten und nie wieder loslassen möchte, weil sie unser Ein und Alles ist.

2. Partnerschaft

Und während ich nach und nach eine neue Beziehung zu meinem Kind aufgebaut und immer mehr in die Mutterrolle reingeschlüpft bin, wird die Beziehung zum Vater des Kindes ganz schön auf die Probe gestellt. Weil er sich daran gewöhnen musste, nicht länger Nummer eins zu sein und ich lernen musste, meine Liebe aufzuteilen. Daran haben wir ziemlich lange zu knabbern gehabt, und auch jetzt nach über zwei Jahren ist es manchmal schwer, das Gleichgewicht in der Familie zu finden, so dass sich keiner vernachlässigt oder überfordert fühlt

3. Ständige Sorgen

Vom ersten Moment an, wo unsere Tochter geboren war, habe ich ständig überall Gefahren gesehen. Vielleicht sehe ich das irgendwann beim zweiten Kind etwas lockerer aber manchmal verbringe ich den ganzen Tag damit Sätze wie „Sei vorsichtig!“, „Nicht so schnell!“, „Aufpassen!“, „Nicht darauf klettern, du könntest dich verletzen!“ von mir zu geben. Vermutlich, weil es doppelt weh tut, wenn doch was schief geht: sie hat Schmerzen (zwar meistens nur von kurzer Dauer und durch einen magischen Mutterkuss schnell wieder geheilt) und ich fühle (wahrscheinlich sogar doppelt so stark) mit. Das ist vielleicht Teil der grenzenlosen Liebe und diese Verbundenheit, die man zum eigenen Kind spürt. Wenn es ihr nicht gut geht, fühle ich mich auch nicht gut. Und wenn ihr jemals was Schlimmeres zustoßen würde, glaube ich, dass ich es nicht vertragen könnte. Ich versuche mich zu bremsen, ihr die notwendigen Erfahrungen zu lassen und ab und zu mal die Sorgen abzulegen. Work in progress, ich bin noch nicht besonders gut darin…

4. Selbstzweifel

Ich lese oft Blogartikel und Ähnliches zu Themen wie Ernährung, Erziehung, usw., in der Hoffnung, daraus wertvolle Tipps und Anhaltspunkte zu nehmen. Denn ehrlich gesagt, bin ich manchmal (vielleicht auch öfters) komplett ahnungslos. Was mache ich, wenn sie kein Gemüse essen möchte? Bin ich zu streng? Bin ich nicht streng genug? Kleide ich sie warm genug? Fördere ich sie ausreichend? Lasse ich ihr genügend Spielraum zum Entdecken? Fragen über Fragen, die letztendendes alle in der Hauptfrage münden: Bin ich eine gute Mutter? Diese Selbstzweifel trägt man ständig mit sich rum, man weiß nie ob man gut genug ist und ob man das alles so richtigmacht. Und aus der Gesellschaft bekommt man tagtäglich dieses perfekte Mutterbild vorgehalten, welches man gefühlt nie erfüllen kann.

5. Identitätskrisen

Als würde es nicht ausreichen, dass man ständig Selbstzweifel hat an seinen mütterlichen Kompetenzen, nein, man beginnt seine gesamte Identität zu hinterfragen. Denn während ich super gerne Mutter bin, so kann ich mich auch noch gut an einer Zeit zurückerinnern, als ich noch keine Mutter war. Als ich Unmengen von Interessen, Hobbies und Freunde hatte. Als ich davon geträumt habe, Karriere zu machen und die Welt zu bereisen. Und jetzt arbeite ich 30 Stunden in der Woche in einem Kindergarten und kümmere mich davor und danach um mein eigenes Kind. Auf einmal scheint es so, als wäre nichts mehr übriggeblieben, von der Person, die ich mal war bzw. die ich angestrebt habe. An manchen Tagen macht mich das total fertig und stelle ich mein ganzes Leben in Frage. An anderen Tagen kann ich das akzeptieren und bin ich glücklich mit dem was ich hab. Aber irgendwo ganz weit hinten im Kopf schreit immer eine kleine Stimme: Ich möchte nicht NUR Mutter sein.

6. Freizeit

Kollegen und Freunde ohne Kinder freuen sich immer auf das Wochenende. Ausschlafen, feiern gehen, den ganzen Tag nichts tun, seinen Hobbies nachgehen, ein Kurztrip mit Freunden nach London – die Möglichkeiten eines solchen Wochenendes scheinen unbegrenzt. Ich freue mich nicht so auf das Wochenende, erst Recht nicht wenn the Boyfriend arbeiten muss. Denn dann heißt es, dass ich mich das ganze Wochenende um unsere Maus kümmern darf, die in letzter Zeit sehr stark am Ausprobieren ist, wo meine Grenzen liegen. („Hör endlich auf dich in meinen Sachen einzumischen! Nein heißt nein! Lass mich endlich in Ruhe!“ – manchmal glaube ich, dass dieses 2,5 jährige Kind schon in der Pubertät steckt) Wochenenden mit kleinen Kindern sind nicht erholsam. Abgesehen vom Wochenende ist es sowieso immer ein bisschen schwieriger mit der Freizeit. Da beide Großelternpaare nicht in Hamburg wohnen und the Boyfriend oft doofe Schichten arbeitet, bedeutet es immer eine aufwändige Planerei, wenn man was unternehmen möchte. Zum Glück habe ich tolle Freunde und eine super unterstützende Schwester, die in Notsituationen einspringen – schwierig nur, wenn man mit denen was unternehmen will. Ich tue mich außerdem schwer damit, andere zum Babysitten zu ordern, nur damit ich was Schönes für mich machen kann. Das hängt wohl wieder mit dieser Verbundenheit, die Selbstzweifel und das sich ständig Sorgen machen müssen zusammen…

Zusammenfassend: Muttersein ist wunderschön, Kinder sind unglaublich bereichernd. Aber meiner Meinung nach ist es auch ein unfassbarer schwerer Job ohne Auszeiten und ohne Gnade. Und ich fürchte, dass die heutige Liste an Sachen, die mich nach der Geburt unserer Tochter komplett überrumpelt haben,  nur der Anfang ist. Sie ist ja schließlich erst 2,5 Jahre alt…

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2 Kommentare zu „Muttersein – was dir vorher keiner sagt

  1. Stimmt alles 🙂 Und im Nachhinein betrachtet, bedaure ich wenig, außer dass ich besser weniger Ratgeber gelesen hätte (vor allem in der Pubertät meiner beiden Jungs) und mehr meiner Intuition gefolgt wäre. Im Endeffekt weiß man immer selbst am besten, was für die eigenen Kinder gut ist. Obwohl – das eine oder andere einfühlsame Ohr inkl. Erfahrung tut schon gut. So man je Zeit hat, sich auszutauschen, so lange die Kinder echte Kleinkinder sind. Supersüße Zeit, 2,5 Jahre – genießen ist alles in allem im Vordergrund 🙂

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