Allgemein · Dies und Das · Familie

Ein langer Tag

Da liegt sie nun und schläft tief und fest auf dem Sofa. So wie sie es sich gewünscht hat. Vermutlich hätte ich „nein“ sagen sollen und sie mit Widerrede und Streit dazu bewegen sollen in ihrem Bett zu schlafen aber nach so einem Tag wie heute konnte ich das nicht. Da bin ich einfach froh, dass sie neben mir liegt und ich ihr tiefes, friedliches Atmen lauschen kann.

Heute früh habe ich sie kurz vor neun in der Kita abgegeben um sie dann ca. 14:30 in meiner Pause abzuholen und mit zu mir auf Arbeit – ebenfalls in einem Kindergarten – zu nehmen, weil ich unerwartet die Spätschicht übernehmen musste und ihre Kita eher schließt. Am Ende habe ich also von 10 – 18 gearbeitet mit einer halben Stunde Pause, während sie von 9 -18 ohne Pause durchgespielt hat. Gegen Ende meiner Arbeitsschicht hat sie mehr gezankt und geweint als alles andere und die Kinder, die noch bei mir auf der Arbeit waren ebenfalls.

Was macht man da als Erwachsener? Ganz ehrlich? Am liebsten hätte ich die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und eine Runde geweint, schließlich war ich auch schon seit 6:30 nonstop mit Kindern beschäftigt und irgendwie einfach durch. Aber dann wurde mir bewusst, dass die anwesenden Kinder ja quasi genau den gleichen Arbeitstag hinter sich haben. Dass sie sich anzicken, streiten und weinen, weil sie – so wie ich – einfach nur fertig und müde sind. Weil auch für Kinder der Tag manchmal einfach zu lang ist und am Ende die Kräfte tatsächlich mal aufgebraucht sind. Anstatt zu weinen und zu schimpfen habe ich also noch mal das letzte bisschen Mut und Kraft aufgebracht, mir ein wohlwollendes Lächeln ins Gesicht gepflastert, ein Buch geschnappt, vorgelesen und uns allen eine kleine Verschnaufpause gegönnt.

Ich bin dankbar, dass es mir vorhin gelungen ist meine negative Stimmung umzuschwenken und mich für die Kinder zusammenzureißen. Aber mir ist auch bewusst, dass ich, wenn ich mit unserer Maus alleine zuhause bin, durchaus mal diese Gelassenheit, Ruhe und Fairness verliere. Dass man als Erwachsener nicht immer so reagiert, wie es das Kind in seiner Lage verdient hat, weil man viel zu oft nur die eigene Befindlichkeit und nicht die Umstände des Kindes beachtet. Grundsätzlich ist das ja auch normal – schließlich sind wir alle Menschen und keine Roboter… Aber manchmal hilft es vielleicht, sein Verhalten in der einen oder anderen Situation noch mal zu reflektieren und beim nächsten Mal hoffentlich zu korrigieren.

Meine Reflektion findet jetzt gerade statt. Hier auf dem Sofa. Während ich zusehe, wie meine Maus am anderen Ende der Couch tief und fest schläft. Der Tag ist überstanden und morgen mache ich eher Schluss und genieße die extra Stunden zu zweit.

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